Der Schulhund

Liebe Eltern,

 

seit dem Schuljahr 2015/16 haben wir einen Schulhund an unserer Schule. Es ist meine Mischlingshündin Lila, die ich 2006 in Mexiko-Stadt als Welpe adoptiert habe. Sie ist sehr freundlich, versteht sich gut mit den Kindern und trägt ihren Teil zum guten Gelingen unseres Schullebens bei. Genaueres zum Thema „Hundegestützte Pädagogik“ ersehen Sie bitte aus dem nachfolgenden Schulhundkonzept.

 

Vielleicht bis bald in unserer Schule.

 

Susanne Hobbhahn
– Schulleiterin –

 

 

 

GGS Antwerpener Straße Schulhund-Konzept (Stand 09/2015)

 

Inhalt:

  1. Einleitung
  2. Hundegestützte Pädagogik
  3. Rechtliches und Hygiene
  4. Hund und Lehrkraft
  5. Schülerinnen und Schüler
  6. Möglichkeiten des Einsatzes in der GGS Antwerpener Straße
  7. Literatur/Adressen

 

1. Einleitung


Der soziale Wandel stellt auch die Pädagogik vor große Herausforderungen. War Schule früher eine reine Institution der Wissensvermittlung, so gewinnt heute immer mehr der erzieherische Auftrag der Schule an Wichtigkeit.

Daraus ergibt sich in der modernen Pädagogik die Konsequenz, dass die Aufnahme von Wissen erst möglich ist, wenn ein Individuum motiviert ist und einen Nutzen für sich in seinem Tun sieht. Neurobiologen wie Spitzer weisen deutlich daraufhin, dass sich besonders die Institution Schule dahin gehend weiterentwickeln muss.

 

Neue Technologien beschleunigen zudem den Tagesablauf und machen ihn unpersönlicher und unübersichtlicher. Die alten Familienstrukturen, welche Sicherheit vermittelten, zerfallen zunehmend. Einzelkämpfertum, mangelnde Sozialkompetenz und Konkurrenzdenken zeigen sich auch schon in der Grundschule.

 

So ist es auch Aufgabe der Schule, das soziale Miteinander zu fördern. Lehrerinnen und Lehrer leisten bereits einen großen Beitrag zur Erziehungsarbeit und fördern gezielt das soziale Miteinander, welches für viele Kinder eine große Herausforderung darstellt.

 

Bei der Förderung des sozialen Miteinanders kann der Schulhund als „Pädagoge auf vier Pfoten“ (Heyer/Kloke 2012, S.10) positiv einwirken.

 

Arthur Schopenhauers Aussage „Wir sind gern in der Natur, weil sie kein Urteil über uns hat“ gilt gerade für Hunde. Sie gehen völlig unvoreingenommen auf den Menschen zu. Sie haben keine Vorurteile und bilden sich keine Meinung über Leistungsschwächen- oder stärken. Deshalb können sie gerade für Kinder mit Teilleistungsstörungen eine Unterstützung sein. Kinder fassen schnell Vertrauen und können in einer völlig wertfreien Atmosphäre ihre sozialen Kompetenzen erweitern.

 

„Die Erfahrungen zeigen, dass Sozialverhalten, Motivation und Konzentration, Klassenklima und Lust auf Schule durch die Anwesenheit des Schulhundes im Unterricht günstig beeinflusst werden (Beetz 2012, S.18).“

Hunde wirken motivierend und können eine angenehme Atmosphäre schaffen. „Damit können sie die Lehrkraft unterstützen, ideale Voraussetzungen für effektives Lernen im sozialen und kognitiven Bereich zu schaffen und so die grundlegenden pädagogischen Zielsetzungen – Bildung und Erziehung – zu erreichen (d.O.).“

 

Seit Beginn des Schuljahres  2015/16 bringe ich (Susanne Hobbhahn, Schulleiterin der GGS Antwerpener Straße) Lila, meine kleine 9 jährige Mischlingshündin mit in die Schule, um sie nach einer Probezeit zum Schulhund zu machen. Mit ihrer Hilfe möchte ich Schülerinnen und Schülern eine weitere Möglichkeit anbieten, soziale Kompetenz zu fördern und das Lernen zu erleichtern. Wie das funktionieren kann, wird im Folgenden genauer beschrieben. In erster Linie wird es sich zunächst um die zeitweise Anwesenheit der Hündin im Schulleiterbüro und hin und wieder im Unterricht handeln, um das Tier nicht zu überfordern.

 

 

2. Hundegestützte Pädagogik
Unter hundegestützter Pädagogik versteht man den systematischen „(…)Einsatz von ausgebildeten Hunden in der Schule zur Verbesserung der Lernatmosphäre und individueller Leistungsfähigkeit sowie des Sozialverhaltens der Schüler.(..). Als Co-Pädagoge unterstützt der Hund dabei den Lehrer / Erzieher bei dessen Erziehungs- und Bildungsauftrag. Der Umfang und die Inhalte des hundgestützten Unterrichts variieren dabei von der reinen Anwesenheit des Hundes in der Schule bis hin zur aktiven Teilnahme des Vierbeiners als Vorbild und Lernkamerad im Unterricht“ (Heyer/Kloke 2012, S. 17)

 

Obwohl der Psychotherapeut Boris Levison Ende der 60er Jahre das Potenzial von Tieren für psychotherapeutische Zwecke bekräftigte und mit Hunden gezielt in seinem Beruf arbeitete, beginnt die als damals noch bezeichnete „tiergestützte Pädagogik“ erst in den 90er Jahren (Beetz 2012, S.12).

 

Hunde fungierten bis dahin zumeist noch als „Schulmaskottchen“, als Helfer bei Besuchen in Schulen, Altenheimen und anderen Institutionen. Sie dienten häufig zur Anschauung im Biologieunterricht.

 

Schnell erkannte man ihre psychologische und heilende Wirkung auf Menschen. Anfang 2000 entstanden dann zunehmend strukturiertere Zusammenschlüsse, die sich dem Thema „Schulhund“ annahmen. Das Schulhundweb wurde gegründet, bei dem man sich registrieren konnte und eine freiwillige Selbsterklärung abgab, dass man den Hund nach den dort vorgegebenen Richtlinien einsetzen würde. In Arbeitskreisen wurden und werden auch heute noch Fortbildungen angeboten.

 

Mittlerweile sind dort ca. 200 Schulhunde registriert, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher ist (Agsten, Führing, Windschweif 2011). Alle registrierten Personen sind diese freiwillige Selbstverpflichtung eingegangen, die 2007 vom Fachkreis Schulhunde in Kassel entwickelt wurde.

 

Zunehmend wurden empirische Untersuchungen über den Einsatz von Schulhunden angestellt, und so konnte man auch erste wissenschaftlich belegte Erkenntnisse in die Programme einbeziehen.

Hundegestützte Pädagogik konkret

 

In den Richtlinien und Lehrplänen des Landes NRW finden sich viele Aspekte, die einen Einsatz des Schulhundes legitimieren:

 

Neben den Fächern Kunst und Sport (Wahrnehmung, Grob- und Feinmotorik, Ausdauer) sind folgende Lernbereiche von Bedeutung:

 

Deutsch:

Anregung zum Sprachhandeln, „Freude am selbstständigen Umgang mit Sprache zu wecken und zu steigern.“

Es soll eine Erzähl- und Gesprächskultur entwickelt werden sowie eine Lese- und Schreibkultur. Hier ist bereits erwiesen, dass Schulhunde als regelrechte „Icebreaker“ wirken können (Agsten, Führing, Windschweif). SuS können motiviert werden und ihren Wortschatz sowie Wortverständnis erweitern.

Häufig wird der Hund auch als Zuhörer in der Lesestunde eingesetzt.

 

Sachunterricht:

SuS sollen Kompetenzen entwickeln, um im alltäglichen Leben zu Recht zu kommen. So zum Beispiel können präventive Strategien im Umgang mit dem Hund eintrainiert werden. Ganz zu schweigen vom biologischen Aspekt rund um den Hund.

 

Aber auch soziale Kompetenzen im Umgang miteinander und im Verhalten Tieren gegenüber werden trainiert. Beißunfälle können somit verhindert werden und Tierschutzaspekte werden mit einbezogen.

Generell kann der Schulhund in allen Fächern Helfer sein, indem er z.B. beim Lesen als unkritischer Zuhörer behilflich ist, an Spielen teilnimmt, oder einfach nur gestreichelt werden darf. Die Literatur bietet eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten, welche abhängig von den Möglichen des Hundes und den Kindern sind.

 

Schulhunde können Hilfe geben zum Abbau von:

– Ängsten

– Unausgeglichenheit

– Einsamkeit und Langeweile

– Sprachstörungen

– ADS/ ADHS

– Aggressivität

 

Schulhunde geben Hilfe zur Erziehung durch Motivation:

– Förderung aller Sinne und dadurch Stärkung der Wahrnehmung sowie Kommunikationsfähigkeit

– Förderung von Grob- und Feinmotorik

– Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen

– Förderung der Konzentrationsfähigkeit, Kreativität und Fantasie

– Stärkung der Ausdauer

– Förderung des Verantwortungsbewusstseins

– Bewusste Wahrnehmung von Körperveränderungen bei Entspannung und Bewegung

– Erfüllung von Bedürfnis nach Nähe

– Förderung des Wohlbefindens

– Ich – Stärkung

 

(Auszug aus dem Schulhund-Konzept der Grundschule am Kaitzbach, Dresden)

 

 

3. Rechtliches und Hygiene
Bevor der Schulhund endgültig eingesetzt werden darf, bedarf es der grundlegenden Information und Akzeptanz aller in der Schule befindlicher Personen und der Eltern. Deshalb ist ein Konzept erforderlich, welches durch die Schulkonferenz verabschiedet wird, nachdem die Gremien über das Vorhaben informiert wurden. Der Schulhund ist ausreichend mit einer Versicherung geschützt. Das Schulamt und der Schulträger werden über den Schulkonferenzbeschluss informiert.

 

Beim Einsatz des Schulhundes sind grundlegende Hygieneregeln einzuhalten. Die folgenden Regeln wurden dem Material von Heyer und Kloke (20012) entnommen:

– Einhaltung der Tierschutzbestimmungen bezüglich artgerechter Haltung

– Beachtung des Hygieneplanes der Schule

– Nachweis des vollständigen Impfschutzes beim Hund

– regelmäßige Entwurmung des Tieres

– Versicherungsnachweis

– Aufklärung des Personals über den Umgang mit dem Hund sowie Hygienevorschriften

– vermeiden von „Küssen des Hundes“

– regelmäßiges Händewaschen

– der Hund hat keinen Zugang zu Lebensmitteln (Küche/ Mensa etc.) und Waschräumen

–  Hygienematerialien sind sofort greifbar

– Vermeidung des Kontaktes zwischen Hund und Mensch bei schweren Störungen des Immunsystems, sowie Erkrankungen, die den Hundekontakt nicht angeraten erscheinen lassen

– „Kinder mit bekannten Allergien werden besonders beobachtet und unter   Umständen vom Hund ferngehalten. Erfahrungswerte aus den Schulen mit langjähriger Praxis mit Schulhunden ergaben, dass es bisher in keinem Fall zu bedrohlichen allergischen Reaktionen kam und sich im Gegenteil erwies, dass selbst dort, wo eine bekannte Tierhaarallergie vorlag, bei der Einhaltung der Regeln, keine allergischen Reaktionen festgestellt werden konnten.“ (Schulhundkonzept der Grundschule am Kaitzbach)

 

 

4. Hund und Lehrkraft
Lila ist eine mexikanische Mischlingshündin, die am ehesten einer andalusischen Hunderasse mit dem Namen Ratonero Bodeguero Andaluz ähnelt (eine Terrierart). 2006 habe ich (Susanne Hobbhahn) Lila im Alter von etwa 8 Wochen in Mexiko-Stadt, wo sie als Straßenhund  unter einem alten Auto lebte, adoptiert. Lila hat in ihrem ersten Lebensjahr eine Grundausbildung genossen, die in erster Linie auf Gehorsam abzielte.

 

Sie zeichnet sich durch folgenden Charakter aus:

Kennzeichnend für den Ratonero Bodeguero Andaluz ist sein freundlicher Charakter. Er ist  fröhlich, intelligent und anpassungsfähig. Er bellt selten. Wird er freundlich behandelt, ist er für sein ausgeglichenes und besonders für sein sanftes angenehmes Wesen bekannt.


Der Ratonero Bodeguero Andaluz zeigt einen außergewöhnlich starken „will to please“. Er möchte seiner „Familie“ unter allen Umständen gefallen und legt sich dafür mächtig ins Zeug, weshalb er ein idealer Begleiter und treuer, zuverlässiger Freund des Menschen ist.


Im Umgang mit anderen Hunden verhält er sich normalerweise freundlich und  sehr sozial. Fremden Menschen gegenüber bleibt er meist reserviert, in seiner „Familie“ ist er jedoch umso kontaktsuchender und anschmiegsamer.

Hündin und Halterin sind grundsätzlich ein Team. Die Hündin ist kein Unterrichtsmaterial, sondern ein Lebewesen, welches bei seiner Halterin lebt und von ihr begleitet und versorgt wird.

 

Die Hündin geht fast jeden Tag mit zur Schule und befindet sich überwiegend auf einem ihm zugewiesenen Platz im Schulleiterbüro, der für die Kinder nur nach Absprache zugänglich ist. Ein Rückzugsort für die Hündin ist entscheidend, um den Stress für das Tier zu vermeiden.

 

Der Kontakt mit der Hündin erfolgt nur mit Erlaubnis der Halterin sowie unter Berücksichtigung der vorher gründlich erarbeiteten Regeln (siehe Kapitel 4).

 

Die Schulleiterin als Halterin wird immer anwesend sein, wenn sich Kinder mit ihm befassen.

Niemals werden Kinder mit dem Hund allein gelassen, und gehen auch nicht mit ihm allein spazieren.

Der Schulhund läuft nicht unbeobachtet im Schulgebäude herum und verbringt die Schulhofpause über bei der Halterin, nicht aber auf dem Schulhof.

 

Folgende Eigenschaften sollte ein Schulhund besitzen:

– keinerlei aggressive Ausstrahlung

– am Menschen orientiert

– gehorsam

– ruhiges Wesen

– verträglich mit Kindern

– keinerlei Beißansätze.

 

 

5. Schülerinnen und Schüler
Vor dem ersten Kontakt mit der Hündin wurden die SuS der GGS Antwerpener Straße mit den Umgangsregeln vertraut gemacht, damit keine Missverständnisse in der Kommunikation entstehen.

 

Folgende Regeln müssen besprochen und eingehalten werden (nach Heyer /Kloke):

– Nicht von oben streicheln und sich nicht über den Hund beugen.

– Nicht festhalten.

– Nicht hinterherlaufen oder im Klassenzimmer rennen.

– Dem Hund nichts wegnehmen oder ihn anstarren.

– Warten, bis der Hund entscheidet, zu dir zu kommen.

– Nicht schlagen, treten, ärgern.

– Nur ein Kind darf streicheln.

– Leckerchen dürfen nur mit Erlaubnis gegeben werden.

– Den Hund nicht hochheben.

– Leise oder normal sprechen und nicht schreien.

– Der Hund darf in seiner Ruhezone (Hundedecke) nicht gestört und

   gestreichelt werden.

– Ich brauche keinen Kontakt zum Hund haben, wenn ich das nicht möchte.

– Hände waschen.

– Vor dem Kontakt feststellen, ob der Hund mich wahrgenommen hat.

– Sich nicht von dem Hund ablenken lassen.

 

 

6. Möglichkeiten des Einsatzes in der GGS Antwerpener Straße
Wenn die  Hündin ein vertrautes Mitglied unserer Schulgemeinschaft geworden ist und sich die Schülerinnen und Schüler gut an den Umgang mit ihr gewöhnt haben, sind dies einige Möglichkeiten des Einsatzes von Lila:

– Schulhund-AG

– Schulhund als regelmäßiger Begleiter und Co-Lehrer im Unterricht

– Gestaltung von bestimmten Unterrichtseinheiten

– Begleitung der Hausaufgaben durch bloße Anwesenheit

– Ausflüge

– Versorgungsaufgaben

– Spiele

 

Alle Einsatzmöglichkeiten richten sich nach dem 5 – Phasenmodell von Heyer und Kloke (Heyer/ Kloke, S.34 ff.).

Zum Zeitpunkt der Konzepterstellung befinden wir uns in Phase 1:

1.Phase:  Vorbereiten (Information der Schulgremien/ Schulkonferenzbeschluss über ein Schulhundkonzept)

2. Phase: Einführen (Kontakt herstellen)

3. Phase: Kennenlernen (Vertrauen aufbauen)

4. Phase: Arbeiten

5. Phase: Abschließen (Lernziel erreicht)

 

 

7. Literatur/ Adressen
Agsten, Lydia: Hupässch – Hunde in die Schulen und alles wird gut?, Norderstedt 2009

Agsten, Lydia/ Führing, Patricia/ Winscheif, Martina: Praxisbuch Hüpäsch, Norderstedt, 2011

Beetz, Andrea: Hunde im Schulalltag, München/ Basel 2012

Heyer, Meike/ Kloke, Nora: Der Schulhund, Nerdlen/Daum, 2012

Koneczny, Marion: Hunde im Kindergarten, Dortmund 2006

Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule NRW www.schulministerium.nrw.de

www.aha-retriever.de

www.drc.de

www.schulhundweb.de

www.kinder-und-tiere.de

Schulhundkonzept der Grundschule am Kaitzbach: www.71-gs.de